gewagt 1

Genosse  –  wo kann ich Dich zum Meinungsaustausch treffen – der Du am 27. Mai auf einer Website der DKP publizierst – ich zitiere weiter unten – der Du das „Manifest der Kommunistischen Partei“ zwar erwähnst, jedoch Dich nicht an diesem abarbeitest, sondern im Kleingedruckten uneindeutige Inhalte zu einer so großen Überschrift postulierst? Dies frage ich, da ich davon ausgehe, dass sich der Autor eines Nicknamens bedient. So dem nicht so ist, argumentiere ich gern mit den Genossen, die s Aufsatz publizierten.

Ich will schnell in einer mir verbleibenden Arbeitsstunde beginnen, einen Zusammenhang meines in der DDR erworbenen Grundwissen und den durch aktuelle Bildungsarbeit in meinen Focus gerückten Dimitroff zu skizzieren, indem ich formuliere:

Genossen – lassen wir uns den wissenschaftlichen Gehalt unserer marxistisch-leninistischen Lehre nicht madig machen! Wir reden von der epochalen revolutionären Umwäzung des als letzte Klassengesellschaft beschriebenen Kapitalismus hin zum klassenlosen Kommunismus – über die Entwicklung eines sozialistischen Staates, der nur als *Diktatur des Proletariats* erfolgreich gestaltet werden kann. Und auch wenn dieser erste solche auf deutschem Boden nur 40 Jahre Bestand hatte, bedeutet dies ganz sicher mehr, als ein gescheiterter Versuch zu sein. Also, vorgemacht hat uns das Regieren damals niemand und zum Nachmachen liefern wir zumindest Fehler, die die kommenden Sozialisten an der Macht dann nicht nochmal zu machen brauchen, sofern sie mit uns, den im Sinne des Kommunismus bestmöglich denkenden, handelnden und sich organisierenden  Anführern des Proletariats auswertend beraten.

Zum Nachlesen des programmatischen Klassikers, hinterlegte ich diese Seite https://antikriegspartei.wordpress.com/geniestreich-kpd/manifest-der-kommunistischen-partei/ und den von mir zitierten Dimitroff findet man auch hier kommentierter *Dimitroff* als Seminarauftakt in Fürstenwalde

1.)  Zitat aus dem Manifest: „Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.“

Gedächtnishinzufügung nach Lenin … wir erleben derzeit die Epoche des revolutionären Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus …

Zitat Dimitroff: „In andern Ländern, wo die herrschende Bourgeoisie den nahen Ausbruch der Revolution befürchtet, errichtet der Faschismus seine schrankenlose politische Monopolherrschaft entweder sofort oder, indem er den Terror und die Abrechnung mit allen konkurrierenden Parteien und Gruppierungen immer mehr verstärkt.

Das schließt nicht aus, daß der Faschismus im Augenblick einer besonderen Verschärfung seiner Lage Versuche macht, seine Basis zu erweitern und, ohne sein Klassenwesen zu ändern, die offene terroristische Diktatur mit einer groben Fälschung des Parlamentarismus zu vereinen.

2.) Im Manifest lesen wir: „Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen {8} aus.

Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.

Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.“

Dimitroff sagt: „Unter den Verhältnissen der hereingebrochenen überaus tiefen Wirtschaftskrise, der heftigen Zuspitzung der allgemeinen Krise des Kapitalismus, der Revolutionierung der werktätigen Massen ist der Faschismus zum breiten Angriff übergegangen. Die herrschende Bourgeoisie sucht immer mehr ihre Rettung im Faschismus, um die schlimmsten Ausplünderungsmaßnahmen gegen die Werktätigen durchzuführen, um einen imperialistischen Raubkrieg, um den Überfall auf die Sowjetunion, die Versklavung und Aufteilung Chinas vorzubereiten und durch alle diese Maßnahmen die Revolution zu verhindern. 

(…) Sie wollen das Problem der Märkte durch Versklavung der schwachen Völker, durch Steigerung der kolonialen Unterdrückung und durch eine Neuaufteilung der Welt auf dem Wege des Krieges lösen. Dazu brauchen sie den Faschismus.“

3.) „Die Führer der Sozialdemokratie vertuschten und verhüllten vor den Massen den wirklichen Klassencharakter des Faschismus und riefen nicht zum Kampf gegen die immer schärferen reaktionären Maßnahmen der Bourgeoisie auf. Sie tragen die große historische Verantwortung dafür, daß im entscheidenden Moment der faschistischen Offensive ein bedeutender Teil der werktätigen Massen in Deutschland und einer Reihe anderer faschistischer Länder im Faschismus nicht das blutdürstige Raubtier des Finanzkapitals, seinen schlimmsten Feind erkannte, und daß diese Massen nicht zur Abwehr bereit waren.

Welches ist die Quelle des Einflusses des Faschismus auf die Massen? Es gelingt dem Faschismus, die Massen zu gewinnen, weil er in demagogischer Weise an ihre brennendsten Nöte und Bedürfnisse appelliert.

Der Faschismus entfacht nicht nur die in den Massen tief verwurzelten Vorurteile, sondern er spekuliert auch mit den besten Empfindungen der Massen, ihrem Gerechtigkeitsgefühl und mitunter sogar ihren revolutionären Traditionen. Warum spielen sich die deutschen Faschisten, diese Lakaien der Großbourgeoisie und Todfeinde des Sozialismus, vor den Massen als »Sozialisten« auf und stellen ihren Machtantritt als »Revolution« hin? Weil sie bestrebt sind, den Glauben an die Revolution, den Drang zum Sozialismus auszunutzen, der in den Herzen der breiten werktätigen Massen Deutschlands lebt.“ weiß Dimitroff und fügt hinzu:

„Durch seinen Zynismus und seine Verlogenheit alle anderen Spielarten der bürgerlichen Reaktion in den Schatten stellend, paßt der Faschismus seine Demagogie den nationalen Besonderheiten jedes Landes an, sogar den Besonderheiten der verschiedenen sozialen Schichten in ein und demselben Lande. (…) Der Faschismus kommt zur Macht als Partei des Angriffs gegen die revolutionäre Bewegung des Proletariats, gegen die in Gärung befindlichen Volksmassen, er stellt jedoch seinen Machtantritt hin als eine »revolutionäre« Bewegung gegen die Bourgeoisie (…).“

Im Manifest steht: „Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen – welches frühere {10} Jahrhundert ahnte, daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.“

Und in weiteren anderthalb Jahrhunderten wurde dieses Erstaunen „daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten“ lediglich durch ebendiesen Prozess fortgesetzt.

Der Kapitalismus entwickelt sich gesetzmäßig weiter, nichts weiter passiert.

Wieso also, liebe Genossen, erfinden wir NEUE Merkmale einer kommunistischen Partei, wenn doch der Klassenauftrag der gleiche geblieben ist – und dieser ist nachzulesen im Kommunistischen Manifest:

“ (…) In Deutschland kämpft die Kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die Kleinbürgerei.

Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst |493| klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen {73} Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeiten, damit die deutschen Arbeiter sogleich die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, welche die Bourgeoisie mit ihrer Herrschaft herbeiführen muß, als ebenso viele Waffen gegen die Bourgeoisie kehren können, damit, nach dem Sturz der reaktionären Klassen in Deutschland, sofort der Kampf gegen die Bourgeoisie selbst beginnt. (…)

Mit einem Wort, die Kommunisten unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände. In allen diesen Bewegungen heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die Grundfrage der Bewegung hervor.

Die Kommunisten arbeiten endlich überall an der Verbindung und Verständigung der demokratischen Parteien aller Länder.

Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

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Nun hier auszugsweise der Anstoß meiner Ausführungen: ZITIERT von http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2015/04/sechs-fundamentale-merkmale-einer-kommunistischen-partei/

(…) Diese neue Situation in der internationalen kommunistischen Bewegung eröffnete in der Gesellschaft ein Vakuum, in welches andere revolutionäre Kräfte nachgestossen sind, die unter den konkreten Bedingungen ihres Landes in wichtigen und manchmal in grundsätzlichen Fragen von Ziel und Aktionen mit den Kommunisten übereinstimmten.

Wenn heute von der internationalen kommunistischen Bewegung gesprochen wird, lässt sich also, entgegen der Praxis früherer Zeiten, keinerlei Grenze zwischen kommunistischen und irgendwelchen anderen revolutionären Parteien aufrichten. Die kommunistische Bewegung hat eine Beweglichkeit in ihrer Zusammensetzung erfahren und neue Grenzen erhalten.

(…) Bei aller Unterschiedlichkeit der konkreten Antworten auf jede gegebene Situation, lassen sich dennoch sechs grundlegende, charakteristische Merkmale der Identität einer kommunistischen Partei aufzeigen, egal ob die Partei diesen Namen oder einen anderen trägt. Diese Charakterzüge liegen darin:

1. Eine von den Interessen, der Ideologie, von Druck und Drohungen der Kapitalkräfte völlig unabhängige Partei zu sein. (…)

2. Eine Partei der Arbeiterklasse, der Werktätigen im Allgemeinen, der Ausgebeuteten und Unterdrückten zu sein. (…)

3. Eine Partei mit einem demokratischen Innenleben und einer einheitlichen zentralen Leitung zu sein. (…)

4. Eine Partei zu sein, die zugleich internationalistisch ist und die Interessen ihres Landes verteidigt. (…)
5. Eine Partei zu sein, die als ihr Ziel den Aufbau einer Gesellschaft definiert, die weder Ausgebeutete noch Ausbeuter kennt, einer sozialistischen Gesellschaft. (…)

6. Trägerin einer revolutionären Theorie zu sein: des Marxismus-Leninismus, der nicht nur die Erklärung der Welt möglich macht, sondern auch den Weg zu ihrer Veränderung aufzeigt. (…)

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Diese sechs Grundsätze scheinen stimmig. Jedoch im Kleingedruckten (nachzulesen auf http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2015/04/sechs-fundamentale-merkmale-einer-kommunistischen-partei/) steht zu lesen,

was meinem kommunistischen Verständnis nach genau NICHT dem Herausbilden eines kommunistischen Weltverständnisses zuträglich ist – und damit unweigerlich dem Klassenfeind in die Hände spielt.

Ja, Feierabend für heute und ich publiziere mit dem „Elan der ersten Stunde“ mutig öffentlich. DAS nämlich ist meine schmerzlichste Lehre aus der verlorengegangenen DDR: mich angesichts der Weisheit der führenden Genossen irgendwann nicht mehr getraut zu haben, „Laut zu sagen, was ist“ – und damit einen kleinen Lehrsatz Rosa Luxemburgs übersah.

Damals dachte ich nicht im Traum daran, heute dies hier schreiben zu können – und zu müssen. Und dass dies so ist, hat AUCH einen Grund darin, dass wir die Lehren der Klassiker wohl mehr als einmal nach Gutdünken interpretierten.

Wie fatal.

hidd.rosa PLAKAT