kommentierter *Dimitroff* als Seminarauftakt in Fürstenwalde

Georgi Dimitroff
Arbeiterklasse gegen Faschismus

VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale.
Bericht, erstattet am 2. August 1935
zum 2. Punkt der Tagesordnung des Kongresses: Die Offensive des Faschismus und die Aufgabe der Kommunistischen Internationale im Kampfe für die Einheit der Arbeiterklasse gegen Faschismus

ursprünglich ZITIERT von der Website http://www.mlwerke.de/gd/gd_001.htm, auch hier https://antikriegspartei.wordpress.com/thema/die-gefahr-des-aufrichtens-einer-faschistischen-diktatur-in-deutschland-wachst-oder/dimitroff-1935-zu-die-offensive-des-faschismus/ nachzulesen,  fette Hervorhebungen erfolgten durch den Seminarleiter
„ (…) Die herrschende Bourgeoisie sucht immer mehr ihre Rettung im Faschismus, um die schlimmsten Ausplünderungsmaßnahmen gegen die Werktätigen durchzuführen, um einen imperialistischen Raubkrieg, um den Überfall auf die Sowjetunion, die Versklavung und Aufteilung Chinas vorzubereiten und durch alle diese Maßnahmen die Revolution zu verhindern.

Die imperialistischen Kreise suchen die ganze Last der Krise auf die Schultern der Werktätigen abzuwälzen.

Dazu brauchen sie den Faschismus.
Sie wollen das Problem der Märkte durch Versklavung der schwachen Völker, durch Steigerung der kolonialen Unterdrückung und durch eine Neuaufteilung der Welt auf dem Wege des Krieges lösen.

Dazu brauchen sie den Faschismus.
Sie suchen dem Anwachsen der Kräfte der Revolution durch Zerschlagung der revolutionären Bewegung der Arbeiter und Bauern und durch den militärischen Überfall [5]* auf die Sowjetunion – das Bollwerk des Weltproletariats – zuvorzukommen.

Dazu brauchen sie den Faschismus. (…)“
Bezeichnend für den Sieg des Faschismus ist aber gerade der Umstand, daß dieser Sieg einerseits von der Schwäche des Proletariats zeugt, das durch die sozialdemokratische Spaltungspolitik der Arbeitsgemeinschaft mit der Bourgeoisie desorganisiert und paralysiert wurde, andererseits aber die Schwäche der Bourgeoisie selbst zum Ausdruck bringt,

die vor der Herstellung der Kampfeinheit der Arbeiterklasse Angst hat, vor der Revolution Angst hat und nicht mehr imstande ist, ihre Diktatur über die Massen mit den alten Methoden der bürgerlichen Demokratie und des Parlamentarismus aufrechtzuerhalten.“

Der Faschismus ist die Macht des Finanzkapitals selbst. Das ist die Organisierung der terroristischen Abrechnung mit der Arbeiterklasse und dem revolutionären Teil der Bauernschaft und der Intelligenz. Der Faschismus in der Außenpolitik ist der Chauvinismus in seiner brutalsten Form, der einen tierischen Haß gegen die anderen Völker kultiviert.
Dieser wirkliche Charakter des Faschismus muß besonders [7]* stark unterstrichen werden, weil der Deckmantel der sozialen Demagogie dem Faschismus die Möglichkeit gegeben hat, in einer Reihe von Ländern die durch die Krise aus ihrem Geleise geworfenen Massen des Kleinbürgertums und sogar manche Teile der rückständigsten Schichten des Proletariats mitzureißen, die niemals dem Faschismus gefolgt wären, wenn sie seinen wirklichen Klassencharakter, seine wirkliche Natur begriffen hätten. (…)“

Anm. d. Seminarleiters: Es geht um die Verhinderung der schleichenden Ablösung

der Staatsform der *bürgerlichen Demokratie*

durch die *offene terroristische Diktatur*.

Je sicherer uns Kommunisten das in seiner Aktualität bewusst ist,

desto erfolgreicher wird unser Kampf sein!

„Der Machtantritt des Faschismus ist keine einfache Ersetzung der einen bürgerlichen Regierung durch eine andere, sondern eine Ablösung der einen Staatsform der Klassenherrschaft der Bourgeoisie – der bürgerlichen Demokratie – durch eine andere Form – durch die [8] offene terroristische Diktatur.

Die Ignorierung dieses Unterschiedes wäre ein ernster Fehler, der das revolutionäre Proletariat daran hindern würde, die breitesten Schichten der Werktätigen in Stadt und Land zum Kampf gegen die Gefahr einer Ergreifung der Macht durch die Faschisten zu mobilisieren sowie die Gegensätze auszunutzen, die im Lager der Bourgeoisie selbst vorhanden sind.“

„Welches ist die Quelle des Einflusses des Faschismus auf die Massen?

Es gelingt dem Faschismus, die Massen zu gewinnen, weil er in demagogischer Weise an ihre brennendsten Nöte und Bedürfnisse appelliert.

Der Faschismus entfacht nicht nur die in den Massen tief verwurzelten Vorurteile, sondern er spekuliert auch mit den besten Empfindungen der Massen, ihrem Gerechtigkeitsgefühl und mitunter sogar ihren revolutionären Traditionen.

Warum spielen sich die deutschen Faschisten, diese Lakaien der Großbourgeoisie und Todfeinde des Sozialismus, vor den Massen als »Sozialisten« auf und stellen ihren Machtantritt als »Revolution« hin?

Weil sie bestrebt sind, den Glauben an die Revolution, den Drang zum Sozialismus auszunutzen, der in den Herzen der breiten werktätigen Massen Deutschlands lebt. Der Faschismus handelt im Interesse der extremen Imperialisten, aber vor den Massen tritt er unter der Maske des Beschützers der beleidigten Nation auf (…).“

Der Faschismus kommt zur Macht als Partei des Angriffs gegen die revolutionäre Bewegung des Proletariats, gegen die in Gärung befindlichen Volksmassen, er stellt jedoch seinen Machtantritt hin als eine »revolutionäre« Bewegung gegen die Bourgeoisie im Namen der »ganzen Nation« und zur »Rettung der Nation« (man denke an den »Marsch« Mussolinis nach Rom, an den »Marsch« Pilsudskis nach Warschau, an die nationalsozialistische »Revolution« Hitlers in Deutschland usw.).

Aber welche Maske der Faschismus auch aufsetzen mag, in welchen Formen er auch auftreten mag, auf welchem Wege er immer auch zur Macht gelangen mag – Der Faschismus ist die wütendste Offensive des Kapitals gegen die werktätigen Massen. Der Faschismus ist zügellosester Chauvinismus und Raubkrieg.

Der Faschismus ist wütende Reaktion und Konterrevolution.

Der Faschismus ist der schlimmste Feind

der Arbeiterklasse und aller Werktätigen.“

„IST DER SIEG DES FASCHISMUS UNVERMEIDLICH ?
Warum und wie konnte der Faschismus siegen ?

Der Faschismus ist der schlimmste Feind der Arbeiterklasse und der Werktätigen. Der Faschismus ist der Feind von neun Zehnteln des deutschen Volkes, von neun Zehnteln des österreichischen Volkes, von neun Zehnteln der anderen Völker der faschistischen Länder. Wie, auf welche Weise konnte dieser schlimmste Feind siegen ?
Der Faschismus konnte vor allem deshalb zur Macht kommen, (Aufzählungszeichen durch den Seminarleiter)
• weil die Arbeiterklasse dank der Politik der Arbeitsgemeinschaft mit der Bourgeoisie,
• die von den Führern der Sozialdemokratie betrieben wurde,
• gespalten war,

• politisch und
• organisatorisch gegenüber der angreifenden Bourgeoisie
• entwaffnet war.

• Die kommunistischen Parteien aber waren nicht stark genug, um ohne und gegen die Sozialdemokratie
• die Massen auf die Beine zu bringen und
• sie in den entscheidenden Kampf gegen den Faschismus zu führen.“

Anm. d. Seminarleiters: Dimitroff beschreibt im Jahre 1935, warum der Faschismus siegen konnte – und es gibt zur Historie und vor allem zur Einschätzung der gegenwärtigen politischen Situation in Europa eine Vielzahl von Ausführungen – jedoch anhand dieser neun Punkte allein wird mir klar – dass es keinen Tag mehr geben sollte, den wir nicht klar als Kampftag gegen den heraufziehenden deutschen Faschismus benennen!

„Genossen, man darf sich den Machtantritt des Faschismus nicht so simpel und glatt vorstellen, als ob irgendein Komitee des Finanzkapitals den Beschluß faßt, an diesem und diesem Tage die faschistische Diktatur aufzurichten.

In Wirklichkeit gelangt der Faschismus gewöhnlich zur Macht im gegenseitigen, zuweilen scharfen Kampf mit den alten bürgerlichen Parteien oder mit einem bestimmten Teil dieser Parteien, im Kampf sogar innerhalb des faschistischen Lagers selbst, der manchmal bis zu bewaffneten Zusammenstößen führt, wie wir das in Deutschland, Österreich und anderen Ländern gesehen haben.

Alles das verringert indessen nicht die Bedeutung der Tatsache, daß vor der Errichtung der faschistischen Diktatur die bürgerlichen Regierungen in der Regel eine Reihe von Vorbereitungsetappen durchlaufen und eine Reihe reaktionärer Maßnahmen durchführen, die den Machtantritt des Faschismus unmittelbar fördern.“

Anm. d. Seminarleiters: Die jedoch als solche NICHT benannt werden, sondern (im Gegenteil!) mit der Stärkung der bürgerlich demokratischen Staatsform begründet werden. Es ist unsere Aufgabe, die Aufgabe der Kommunisten, das politische Tagesgeschehen unter diesem Aspekt genau unter die Lupe zu nehmen und die Erkenntnisse, die wir auf der Grundlage unserer marxistisch-leninistischen Weltanschauung erlangen, massenwirksam zu propagieren.

Denn – und so ende ich mit Dimitroff:

„Wer in diesen Vorbereitungsetappen nicht gegen die reaktionären Maßnahmen der Bourgeoisie und gegen den anwachsenden Faschismus kämpft, der ist nicht imstande, [9] den Sieg des Faschismus zu verhindern, der erleichtert ihn vielmehr.“

TerminTip zur weiterführenden Diskussion nach eigenständigem Literaturstudium:

Mittwoch, 06.05.2015 18uhr bis 20:30 in Fürstenwalde

Information zum Seminarort und Zusendung weiterer Literaturempfehlung nach Anmeldung zum Seminar per Emil an antikriegspartei@web.de

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